Venenerkrankung

Krampfaderleiden
Ca. 15% der deutschen Bevölkerung leidet an einer deutlichen Krampfaderentwicklung (Varikosis); die kosmetisch störenden Venenerweiterungen am Bein sind Ausdruck einer Abflussstörung, die über die Anfangssymptome mit Unterschenkelschwellung, Juckreiz und Hautverfärbung in eine chronische Venenschwäche münden kann.

Bei unbehandelter chronischer Venenschwäche können sich offene Stellen am Unterschenkel entwickeln (Geschwür, Ulcus cruris).

Blutkreislauf
Die Arterien bringen das sauerstoffreiche Blut von Herz und Lunge in die Organe und Gewebe und sichern deren Ernährung; bei einer Verengung oder einem Verschluß (arterielle Verschlusskrankheit) kann es dann im Rahmen eines akuten Ereignisses zu einer Minderversorgung und Gewebsuntergang kommen (z.B. Schlaganfall oder Herzinfarkt).

Die Venen haben die Aufgabe das sauerstoffarme Blut zu sammeln und über größer werdende Gefäße zurück zu Herz und Lunge zu transportieren; In der Lunge erfolgt dann erneut die Aufnahme von Sauerstoff.

Beim stehenden Menschen ist der Blutrücktransport aus den Beinen durch die Schwerkraft und den häufig erhöhten Druck im Bauchraum(z.B. Schwangerschaft, Verdauungsprobleme) erschwert. Zur Verhinderung einer Strömungsumkehr befinden sich in den Beinen zahlreiche Venenklappen, die allerdings bei chronischer Überlastung ihre Ventilfunktion verlieren können. Dies ist der Ausgangspunkt einer Krampfaderbildung und einer chronischen Venenschwäche.

Thrombose
Man unterscheidet das tiefe vom oberflächlichen Venensystem; das tiefe Venensystem befindet sich in der Muskulatur und transportiert den Hauptanteil des Blutes.

Ein Verschluß in diesen Hauptgefäßen bezeichnet man als Thrombose, die durch die Komplikation einer Lungenembolie durchaus lebensbedrohlich sein kann.

Therapeutisch ist in der Regel nur die konsequente Kompressionstherapie (Kompressionsstrumpf) und die langfristige Medikamenteneinnahme (Heparin; Marcumar) möglich.

Varikosis
Das klassische Krampfaderleiden spielt sich im oberflächlichen Venensystem zwischen Haut und Muskulatur im Unterhautfettgewebe ab. Über 2 lange Venen (Stammvenen) wird das Blut an der Innen- und Außenseite des Beins gesammelt und über wichtige Mündungsklappen an das tiefe Venensystem abgegeben.

Die Vena saphena magna zieht an der Innenseite vom Innenknöchel bis in die Leiste und ist häufig die Hauptursache der Krampfaderentwicklung.

Die Vena saphena parva zieht vom Außenknöchel in die Kniekehle.

Zusätzlich existieren zahlreiche kurzstreckige Verbindungsvenen (Perforansvenen), die das oberflächliche mit dem tiefen Venensystem verbinden und ebenfalls beim Gesunden das Blut immer in die Tiefe ableiten.

Zusammenfassung der Krampfaderentstehung:

Durch familiäre Veranlagung oder durch chronische Überlastung (z.B. stehender Beruf) kommt es zuerst zu einer Venenklappenschwäche am Übergang vom oberflächlichen zum tiefen Venensystem.

Das Blut im tiefen Venensystem verlässt dann nicht das Bein in Richtung Herz, sondern fließt über die zerstörten Klappen in die falsche Richtung zurück in das Bein und führt zu einer zunehmenden sichtbaren Venenerweiterung und zu einer irreversiblen Venenzerstörung im oberflächlichen System.

Diagnostik
Im Rahmen der Sprechstunde werden die Beschwerden und die individuelle Belastungssituation (z.B. Familie, Beruf) erfragt.

Dann werden mit einer Zeichnung die sichtbaren Venenerweiterungen im Stehen dokumentiert.

Mit dem Ultraschall werden die Venenmündungen in der Leiste und der Kniekehle beurteilt und das Ausmaß der Strömungsfehlleitung dargestellt.

Zusätzlich ist die Überprüfung der wichtigen tiefen Venen und der Ausschluß einer Thrombose unabdingbar.

Therapie
Basistherapie der chronischen Venenerkrankung ist immer die konsequente Kompressionstherapie mit Verordnung eines Kompressionsstrumpfes.

Auch nach einer Operation sollte der Kompressionsstrumpf tagsüber für 3 Monate getragen werden.

In Abhängigkeit der Beschwerden und der Untersuchungsergebnisse ist häufig nur die operative Sanierung der funktionsuntüchtigen Venen zielführend.

Je nach Ausmaß und Ausprägung können verschiedene Op-Methoden eingesetzt werden.

Die langen Stammvenen werden meist im Bereich der Leiste oder der Kniekehle mit einer Sonde herausgezogen (Stripping).
Stark geschlungene Seitenäste und Perforansvenen werden über Minischnitte unterbunden oder herausgezogen.
Bei speziellen Situationen kommt am Unterschenkel auch ein endoskopisches Verfahren zur Anwendung mit Durchtrennung der Venen von innen.
Neuere Op-Methoden (Radiofrequenzablation) erlauben bei geeigneten Situationen die Verödung der langen Stammvenen von innen ohne relevante Hautinzision;

Die Behandlung der vor allem kosmetisch störenden Besenreißervarizen durch Verödung oder Laserbehandlung sollte bei einem spezialisierten Dermatologen erfolgen.

Die Operation wird in der Regel ambulant in unseren Op Räumen in Vollnarkose durchgeführt. Am Folgetag erfolgt im Rahmen der Sprechstunde der erste Verbandswechsel.

Thromboseprophylaxe empfehle ich für mind. 5 Tage mit einer Heparinspritze. Die Fäden werden meist nach 10 Tagen entfernt.